Die #rp15 aus einem kleineren Blickwinkel – Was man sieht, wenn man (fast) nichts sieht

Auf einer Großveranstaltung wie der re:publica treffen jedes Mal viele Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen. Dem Organisationsteam gelingt es in diesem Fall gut diese versch. Anforderungen an eine Konferenz in diesem Ausmaß auszugleichen. Insbesondere für Menschen mit Behinderung stellt die Barrierefreiheit einen wichtigen Punkt da.

Wie wurden auf der #rp15 Barrieren abgebaut?

Vor allem im Bereich der LiveStreams gibt es ein großes Angebot: Die auf STG_1 stattfindenden Sessions wurden weitgehend untertitelt. Diese Untertitel wurden auch im Saal gezeigt. Auf anderen, aber leider nur sehr wenigen, wurde das Gesprochene simultan in Gebärdensprache übersetzt. Auch Menschen im Rollstuhl hatten weitgehend Zugang zu den Bühnen. An manchen Stellen weis ich nicht, ob es Aufzüge gab um z.B. auf den second floor zu gelangen. Wenn das nicht der Fall ist, muss an dieser Schraube gedreht werden.

An manchen Stellen fielen mir auch Markierungen an Stufen auf, um diese besser wahrnehmbar zu machen. Allerdings nicht an allen. Dazu gleich mehr. Die Ausleuchtung der Wege und Plätze war zwar durchaus gut, wies aber an manchen Punkten Defizite auf.

Insgesamt kann ich sagen, dass es bei den veranstaltenden ein Bewusstsein dafür gibt, auch Menschen mit Behinderung die re:publica zugänglich zu machen.

Wo gab es noch Hürden?

Besonders negativ fiel mir auf, dass die iOS App der #rp15 überhaupt keine Funktionen für Barrierefreiheit enthielt. Weder gab es markierbaren Text, um die Beschreibungen durch Voiceover vorlesen zu lassen, noch wurde auf die im Betriebssystem verankerte Funktion “Großer Text” zurückgegriffen. So war es jedes mal mit ziemlichem Aufwand und Anstrengung verbunden “mal eben noch schnell” eine Kurzbeschreibung einer Session zu lesen. Das muss besser gehen!

Auf der Veranstaltung selbst, war es doch an manchen stellen schwierig sich zurechtzufinden. In vielen Situationen stand ich gar in einer “Sackgasse”. Hier sei nur der #Affenfelsen als Beispiel genannt. Ein nicht überschaubares Gebilde mitten im Laufweg ohne Stufen- und Kantenmarkierungen und Wegweiser Pfeile. Hier war es, wie so oft, nur möglich sich durch verlaufen zurechtzufinden. Die Hauseigene Karte war dahingehend auch keine große Hilfe, weil Wege einfach nicht gekennzeichnet sind und so bleibt der #Affenfelsen auf der Karte nur eine Ansammlung von versch. Grüntönen.

Was ist mit der Beschilderung? Naja, jede Bühne hatte ein Hinweisschild wo sie sich befindet und auch die versch. Areas wie die re:fill Bar waren schön groß gekennzeichnet. Dahingegen waren die Handschriftlich aufgeschriebenen Gerichte im Catering Bereich ein Graus. Ich vergleiche Handschrift immer gern mit Sütterlin. Kann man lesen, aber nur mit viel Phantasie. Wenn das Angebot wenigstens in der App oder auf der Website zu finden gewesen wäre… Auch die Toilettenschilder bauen eher Barrieren auf, weil nur kaum zu unterscheiden. Ein großes männlich/weiblich Symbol daneben hätte das vereinfacht.

Nun zurück zu den oben angesprochenen Stufen- und Kantenmarkierungen: Zwar gab es an manchen Stufen Markierungen, aber nur dann, wenn eine “Anbautreppe” aufgestellt war. An allen anderen festen Treppen gab es keinen weißen oder gelben Strich, der die erste und letzte Stufe anzeigt. Den absolut ungekennzeichneten Affenfelsen erwähne ich hier nur der Vollständigkeit wegen.

Bei STG_8, STG_9 und STG_10 gab es im Publikumsbereich überhaupt keine Beleuchtung. So stand ich mindestens zweimal vor einem dunklen Saal. Wo sitzen hier schon Leute oder stehen Stühle über die man stolpern könnte? Nur langsam und unter hoher Konzentration und Anspannung konnte ich mich hier voran tasten. Es wäre ein Leichtes dahingehend Abhilfe zu schaffen.

Alles in allem gibt es vieles, was es auf anderen Veranstaltungen nicht gibt, allerdings gibt es auch noch viele blinde Flecken auf der Landkarte der #Inklusion.

Als Abschlussbemerkung möchte ich noch hinzufügen, dass mir keine Möglichkeit bekannt ist, um eine kostenfreie Karte für eine notwendige Begleitperson zu erhalten. Das machen andere Veranstaltungen besser und sollte auch der Anspruch für die re:publica sein.

Ein Gedanke zu „Die #rp15 aus einem kleineren Blickwinkel – Was man sieht, wenn man (fast) nichts sieht

  1. Danke für Deinen Rückblick. Ich selbst fand es sehr schön, zum ersten mal einen Gebärdensprachendolmetscher life zu erleben. Das kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen. Die Konturmarkierungen waren mir bisher nicht aufgefallen. Da hab ich wieder was gelernt. Danke, dass Du das so ausführlich beschrieben hast. Ich hoffe, dass sich andere Veranstalter Deinen Text zu Herzen nehmen. Liebe Grüße aus Augsburg!

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