Speisekarten-Dilemma

Immer und immer wieder passiert es. Ich gehe mit ein paar Freunden in eine Bar oder ein Restaurant und der Griff zur Speisekarte wird zu eine Odysse. Kontrastschwache Schrift, wechselnde Farben im Hintergrund so dass sich ein Bildbrei ergibt, geschwungene Buchstaben die wie Handschrift anmuten, eine schlichtweg zu kleine Schriftgröße oder gar alles zusammen.
Meistens orientiere ich mich dann an Speisen und Getränken die in keiner Speisekarte fehlen sollten. Den Preis sagt mir dann schon jemand. In Gaststätten in denen ich noch nie war oder welche ein spezielles Angebot haben (mexikanische, australische, thailändische oder spanische Speisen) wird das häufig schwieriger. In den meisten Fällen liest mir jemand die Speisen nach Kategorien vor und um die Nerven meines Vorlesers nicht in Gänze zu strapazieren entscheide ich mich doch meistens für das erst beste Gericht/Getränk.

Das alles würde so ablaufen, wenn ich kein Smartphone hätte.
Gehe ich in ein Restaurant oder eine Bar suche ich zuerst nach dem jeweiligen Laden im Internet. Gibt es eine Webseite von diesem Laden? Ja? Super! Nun geht die Suche nach einer Speisekarte im .pdf-Format los. In den meisten fällen gestaltet sich dies allerdings schwierig. Entweder ist die Internetseite so alt, dass sie sich auf einem mobilen Endgerät nur widerwillig darstellen lässt oder sie ist nicht für Smartphones optimiert und die Anzeige lässt auf sich warten. Wenn man dann mal irgend einen Menüpunkt “zu fassen” bekommt (dieser heißt am besten “Menü” oder “Speisekarte”) musste ich oft feststellen, dass dieses Menü nichts mit dem zutun hat was meine Freunde in Papierform lesen dürfen. Eine beliebte “Falle” ist auch die Speisekarte in Bildform auf die Internetseite zu stellen :-)), aber diese mit so eienr geringen Auflösung zu versehen, dass man außer bunten Pixeln nichts erkennt :-(. Es gilt also entweder weiter suchen oder, wenn der Hunger/ der Durst einen plagt, die Karte abfotografieren. In 90% aller Fälle führt diese Aktion zum Erfolg. Dabei muss allerdings darauf geachten werden, dass das Bild gut belichtet wird, damit das Foto scharf und nicht verwackelt ist.

Oft ist die Karte auch groß genug geschrieben, aber es ist so dunkel, dass man bald die Hand vor Augen nicht sieht. Abhilfe schafft dann eine handelsübliche “Taschenlampen”-App aus dem AppStore des Vertrauens. Auf diverse seltsame oder fragende Blicke muss man sich in diesem Fall allerdings einstellen. Hilft das alles nicht muss doch wieder jemand auf dem Freundeskreis zum wandelnden Hörbuch werden.

Nun, klingt doch alles super. Man könnte meinen, dass man immer irgendwie erfährt was es zu essen gibt und was es kostet. Was macht man aber wenn man alleine ist oder seine Begleitung nicht “belästigen” möchte? Entweder man bestellt einfach irgend etwas, klärt vorher die Finanzlage oder man geht wieder. Optimal, geschweige denn komfortabel, ist das alles nicht.

Deshalb ist meine Idee eine Datenbank mit Speisekarten anzufertigen und diese mit einem Klick abrufbar zu machen. Entweder als gut lesbare Fotos (mit Datum der Aufnahme), als .pdf direkt vom Betreiber oder in letzter Instanz als Abschrift. Ideal wäre hier ein QR-Code auf der Rückseite einer jeden Speisekarte. Abscannen, genau diese Speisekarte als .pdf herunterladen, fertig.
Um diese Datenbank überhaupt erstmal erstellen zu können, benötige ich natürlich aktuelle Speisekarten von allen möglichen Restaurants, Bars, Kneipen und Gaststätten. Wenn ihr also als Servicekraft in einem solchen Betrieb arbeitet oder sonstwie an aktuelle Speisekarten heran kommt und mir eure Karte zur Verfügung stellen wollt, meldet euch per E-Mail (peter@einhalbblindgaenger.de). Natürlich bekommt ihr das Menü wieder unbeschädigt zurück. Die Karte wrid eingescannt und am Ende von diesem Artikel zum Download bereitgestellt. Ich freue mich über eure Unterstützung!

Diese Aktion hilft nicht nur den ca. 1,2 Mio. Blinden und Sehbehinderten Menschen in Deutschland sondern auch den Menschen die nicht als Sehbehindert gelten, aber trotzdem enorme schwierigkeiten beim Lesen in solchen Umgebungen haben. Ich denke dabei vor allem an ältere Menschen. Auch viele von diesen besitzen heutzutage ein Smartphone und nehmen solche Hilfen dankend an.