Warum wird deutsches Export-Bier auch in Deutschland verkauft und wohin wird es überhaupt exportiert?

Bier – In Deutschland als Nationalgetränk geltend und eines der hierzulande meist konsumiertesten alkoholhaltigen Getränke. Gemeinhin wird behauptet, dass katholische Mönche das Bier brauen erfanden, um in der Fastenzeit den Kalorienbedarf mit Hilfe dieses Getränks decken zu können. Dies ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit.Bier galt zwar im Mittelalter als eine Art „flüssiges Brot“, da es auch aus qualitativ schlechterem Getreide hergestellt werden konnte und trotzdem noch genießbar war. Auch der Kaloriengehalt und die Keimfreiheit (durch das Kochen der Bierwürze) waren Garanten dafür, dass Bier im Mittelalter einen Siegeszug erlebte. Allerdings waren Mönche nicht die ersten die jemals ein Bierartiges Getränk brauten. Sie verfeinerten und veränderten lediglich einige Rezepte die schon den Römern (damals als „Cervisia“ bezeichnet) bekannt waren.

In der Zeit vor der Erfindung der Kühlmaschine (Mitte des 19. Jahrhunderts) konnten in der Mittelrhein Region meist nur obergärige Biere gebraut werden. Die Hefen die dazu verwendet wurden benötigten eine „Arbeitstemperatur“ zwischen 15 und 20 Grad. Obergärig deshalb, weil die Hefen nach der Gärung oben schwimmen. In den Voralpenregionen in Bayern und Baden-Württemberg konnten schon früher untergärige Biere (nach der Gärung schwimmt die Hefe unten) gebraut werden, weil man die Hefe mit Eis von den Bergen in tiefen Höhlen und Kellern auf der benötigten Temperatur von 4 bis 9 Grad halten konnte. Untergäriges Bier hat den Vorteil, dass es länger gelagert werden kann als Obergäriges.

Jetzt könnte man vermuten, dass Export-Bier untergärig ist, weil man es aufgrund der längeren Haltbarkeit ohne Schäden auf dem See- und Frachtweg auch in andere Gebiete transportieren könne. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Denn auch das heute beliebteste Bier der deutschen – das Pils – ist ein untergäriges Bier und damit länger haltbar als ein Obergäriges. Also wo liegt dann der Unterschied?

Ein in dieser Erklärung wichtiger Unterschied zwischen Pils und Export ist, dass Export sowohl eine höhere Stammwürze (12-14%) als Pils (max. 12,5%) hat und einen meist höheren Alkoholgehalt (Export: meist etwas mehr als 5-Vol%; Pils: 4,5 bis 5-Vol%). Der Grund für die höhere Stammwürze und den größeren Alkoholgehalt bei „Export“ war die Idee, dass man Exportbier platzsparender transportieren wollte um es dann am Bestimmungsort mit dem dortigen Wasser wieder zu verdünnen. Aufgrund des stärkeren Alkoholgehaltes und des weniger Hopfenlastigen Geschmacks setzte sich Export auch im Inland durch. in der heutigen Zeit wird fast das gesamte Bier welches in Deutschland nach „Export“ Brauart hergestellt wird im Inland verkauft.

Wie bei so vielen Begrifflichkeiten in der Kunst des Bierbrauens lässt sich auch die Bezeichnung „Export-Bier“ auf den Ursprung des Bierbrauens in der Neuzeit zurückführen und hat nur wenig bis gar nicht mit unserer heutigen Wirtschaft zutun.

Zum Schluss bleibt noch die Frage offen: „Wohin wird deutsches Bier überhaupt exportiert?“
Zunächst ist zu bemerken, dass im 1. Halbjahr 2012 83,7% der gesamten deutschen Bierproduktion dem Inlandsverbrauch zugeführt wurde. Insgesamt 40,4 Mio. Hektoliter. Wir trinken unser Bier also überwiegend selbst. Der größte Teil des exportieren Bieres (5,6 Mio. Hektoliter) gingen in EU-Länder.

Funny Fact: In der Schweiz wird Export-Bier als „Spezialbier“ bezeichnet. Dies geht auf ein Abkommen mit der damaligen Tschechoslowakei zurück. Die Schweizer dürfen die Bezeichnung „Pilsner“ für Bier nicht verwenden und im Gegenzug verzichtet Tschechien auf die Bezeichnung „Emmentaler“ für Käse.

 

Quellen:
http://www.bier-lexikon.lauftext.de/ober-untergaerig-2.htm

http://www.bier-lexikon.lauftext.de/ober-untergaerig.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Export_%28Bier%29

http://de.wikipedia.org/wiki/Pilsner_Bier

http://de.wikipedia.org/wiki/Bier

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/07/PD12_266_799.html