“Das Problem ist Deutschland!”

Bisher dachte ich (wie vielleicht die meisten), dass man nur schulden machen kann, wenn andere sparen. Das bekommen wir tag täglich eingetrichtert. In diesem Zusammenhang von Schulden und Ersparnissen vergisst man allerdings schnell die andere Richtung: Man kann nur dann sparen, wenn andere Schulden machen.Ganz einfach zu veranschaulichen ist dies mit der Tatsache, dass der Weltsaldo von Schulden und Ersparnissen immer 0 ist. Egal wann; er ist immer null. Demnach müssen in einer Weltwirtschaft genausoviele Schulden gemacht werden wie Ersparnisse eingelegt werden.

Dieser ziemlich einfache Zusammenahng hat mich zu nachdenken gebracht: Was sind Schulden und für was braucht man sie?
Primär geht es bei Schulden darum, dass man als Unternehmensgründer ein Startkapital erhält (sich verschuldet) um die (im Idealfall) geniale Idee zu verwirklichen und damit Gewinne zu machen. Die Zinsen die man für das geliehene Geld zahlt, spiegeln das Risiko des Verleihers wieder, dass die Idee vielleicht doch nicht so genial ist wie gedacht. Das lässt sich auch auf Ausbildungskredite übertragen: Die “Geschäftsidee” ist hierbei die Ausbildung des Kreditnehmers, der mit der besseren Ausbildung seine Chancen steigert das investierte Geld sicherlich zurückzuzahlen. Denn: Je höher der Bildungsgrad, desto niedriger das Arbeitslosenrisiko.

Auf der Gegenseite des Kredits stehen (wie bereits gesagt) Ersparnisse von Individuen, die ihr überschüssiges Gehalt auf die Bank bringen, in Aktien investieren oder andere Sachwerte daovn kauft. Um überhaupt etwas “auf der hohen Kante” zu haben, muss selbstverständlich etwas erwirtschaften – eine Arbeit haben. Also entsteht ein Kreislauf: Unternehmen leiht sich Geld (zu Beginn salopp geagt bei der Druckerei – der Zentralbank) – er schafft Arbeitsplätze – Arbeiter bekommen für ihre Leistung einen Lohn – der Lohn wird zu einem Teil gespart – der Unternehmer kann sich diese Ersparniss wieder leihen um neue Ideen zu finanzieren.

Löhne und Preise

Der Zusammenhang zwieschen diesen beiden Größen ist rein logisch für jeden mehr oder weniger ersichtlich: Bekommt man mehr Lohn, kann ich mehr ausgeben. Kann ich mehr ausgeben, steigt die Nachfrage und (bei gleich bleibendem Angebot) steigt der Preis. Angebot und Nachfrage eben. Nun wird ein Unternehmen (wahrscheinlich) nicht nur weil es nett zu seinen Angestellten ist deren Lohn erhöhen. Vielmehr kommt es darauf an, ob das Unternehmen die Produktivität der Arbeit die der Angestellt verrichtet durch Innovaation, Technologie oder andere Maßnahmen steigern kann. Wenn ein Arbeiter für die gleiche Arbeit weniger Zeit benötigt, steigt die Leistung pro Zeit. Daraus folgt logisch, dass sich auch die Vergütung (der Lohn) steigen muss, da das Unternehmen mehr Gewinn mit dem gleichen Arbeitskraft erzielt. Damit kommen wir wieder zu steigenden Preisen. Steigende Preise sind letztendlich nichts anderes als die allgemein bekannte Inflation.

Eurokriese? – Lohnkrise!

Inflation hat also wenig mit der Geldmenge zutun, sondern vielmehr mit den Löhnen. Dieser im allgemeinen realtiv unbekannter Zusammenahng spielt eine entscheidende Rolle in der sog. Eurokrise. Dazu muss man sich die Frage stellen, warum ist Deutschland wettbewerbsfähiger als andere Euroländer? Die Antwort ist denkbar einfach: Weil unsere Löhne nicht konsequent mit einem mehr an Produktivität gestiegen sind. Man denke nur daran, dass es in Deutschland heutzutage einen sehr großen Billiglohnsektor (400€-Jobs) gibt. Was auch heißt, dass die deutsche Inflationsrate niedriger ist als in aneren Ländern, die keinen so großen Billiglohnsektor haben. Das Problem bei dieser ganzen Sache ist, dass wir uns mit der Einführung des Euro auf ein gemeinsames Inflationsziel geeinigt haben. Genau genommen heißt das, dass ein Produkt welches vor 10 Jahren in Deutschland und Spanien 100€ kostete, heute in beiden Ländern auch noch gleich viel kostetn sollte. Genau das ist abe rnicht der Fall. In Deutschland ist es billiger als bei den Franzosen und dort ist es billiger als bei den Griechen usw.

Das Problem liegt auch bei uns

Wenn wir jetzt nur auf die (als böse geltenden) Schuldenländer schauen und Ihnen ein Spardiktat und Lohnkürzungen auferlegen ist das nur eine Seite der Medallie. Wir müssen usn an die eigene Nase fassen und dafür sorgen, dass hierzulande die Löhne auch gleichzeitig steigen. Würden wir das nicht tun, müssten Länder wie Griechenland ihr Lohnniveau auf unseres Senken um Wettbewerbsfähig zu werden. Wenn wir die obigen ausführungen umgekehrt denken, hat das ein Sinken der Kaufkraft zur Folge, ein damit ein her gehendes schrumpfen der Wirtschaft und schlussendlich eine höhere Arbeitslosigkeit. Wenn wir nichts tun, können wir den Ländern, denen wir unsere Ersparnisse geliehen haben dabei zusehen, wie sie in den Abgrund stürzen. Natürlich sollten wir nicht histerisch horrende Lohnsteigerungen fordern, sondern diese Erhöhungen systematisch durchführen.

Letztendlich liegt es an uns, ob wir klug genug sind zu erkennen, dass zwar ein paar Länder über ihren Verhältnisse gelebt haben, wir aber genauso unter unseren Verhältnissen. Ich bin gespannt, wie weit die Rettungsversuche des Euro gehen werden und wann man anfängt vor der eigenen Tür zu fegen.

Die Anregung zu diesem Artikel lieferte ein Vortrag von Heiner Flassbeck im Berliner Einsteinforum. Nachzuhören bei DRadio.Wissen “Hörsaal”: 10 Mythen der Krise. Auf eure Kommentare freue ich mich 🙂